Eltern





Beziehung Kind + Eltern

Elternehrung und ‚Geschenk des Lebens'

In der Beziehung Kind und Eltern gibt es verschiedene, 'erlebte’ Beziehungen wie
zwischen dem Kind zur Mutter,
zwischen dem Kind zum Vater,
zwischen Kind zu beiden Elternteilen,
und weiterhin gibt es die die vom Kind erwünschte oder ersehnte Beziehung zu Vater und/oder Mutter.

Desgleichen gibt es eine Beziehung von der Mutter zum Kind, vom Vater zum Kind, von den Elternteilen (entweder als imaginäres 'wir' oder als Elternteil 'du und ich') zum Kind.
Bei mehreren Kindern gibt es eine Vervielfachung des Beziehungserlebens, bei Patchworkfamilien kommen interne und externe Systeme noch in dieses Erleben mit hinein.
Allein mit dieser unvollständigen Differenzierung kann das komplexe familiale und emotionale System erahnt werden.
Familienaufstellung hilft, die generelle oder allgemeine Beziehung von Kind und den Eltern zu personalisieren - emotional werden die Beziehungen von den Parteien sehr unterschiedlich erlebt. Es geht um den Platz in seiner Familie zu finden, das ist neben der ordnenden Weise ein hoch emotionales Erleben.

Zudem geht es um spirituelle /seelische Aspekte in der Kind-Elternbeziehung. Methodisch bieten sich verschiedene Phasen einer Elternehrung an. Bei einer möglichen unterbrochenen Hinbewegung zu den Eltern wird mit dem Klienten ein persönlicher (individueller) Umgang mit Verletzungen, Wünschen und der Sehnsucht des in Frieden-kommens entwickelt. Über die Klärung der Kind-Eltern-Beziehung wird der Zusammenhang zwischen Elternehrung und der Annahme des Lebens erfahren.

Epilog zur Elternehrung

Eine wichtige Voraussetzung für Zufriedenheit, Glück und Präsenz im Leben ist, dass man mit den eigenen Eltern in einer gemäßen Form (innerlich wie auch in der tatsächlicher Begegnung mit Ihnen) seinen Frieden macht. Frieden bedeutet, dass wir unsere Eltern so akzeptieren, wie sie sind und sie auch nachtäglich nicht ändern wollen (Lösungssatz).
Und all das gerade auch dann, wenn es Gründe gibt, genügend -, die ausreichen würden, um unsere Eltern oder ein Elternteil weit in die Wüste oder weit aus unserem Sonnesystem heraus zu schicken.
Diese innere nicht geklärte Auseinandersetzung ist eine der Hauptursachen für fehlende Kraft, Freude, Zuversicht im Jetzt. Der schwelende Konflikt bindet permanent Energie, auch dadurch, dass wir ständig die dunklen Bereiche oder bedrohlichen Abgründe der Vergangenheit fixieren oder uns davon vereinnehmen lassen. Dabei kann ein wesentlicher Fakt nicht ignoriert werden - ob wir es wollen oder nicht, jeder von uns ist das fantastische Ergebnis der Vereinigung von zwei Menschen, unseren Eltern. Aus der Sicht des Kindes:

Mutter + Vater = ICH (mit weiblichen + männlichen Anteil)
Und wer sich diese Gleichung genau anschaut entdeckt den Fakt:

Ich bin meine Eltern !
- und ein bisschen mehr (oder ein bisschen anders) als das,
So beginnen daher auch die Rituale zur Elternehrung in Familienaufstellungen mit diesen Feststellungen.

Wenn ich also meine Eltern oder ein Elternteil ablehne, dann lehne auch einen wesentlichen Anteil in mir selber ab. Ich verbaue mir durch meinen Dauerhader, durch Vorwürfe, durch Anklagen meinen Zugang zum freudvollen Leben, den Zugang zu unkonditionierter Liebe.

'er - wachsen'

Nun ein Wort zu den Eltern: Die Elternehrung ist eine innere Klärung und bedeutet nun wirklich keinen Freifahrtschein für unsere Eltern und erst recht nicht für das, was sie getan oder unterlassen haben. Im Verhältnis zu unseren Eltern ist eigene Wahrhaftigkeit ein guter Wegweiser.
Daher ist es für uns wichtig und unerlässlich klar zu benennen, was passiert ist: Es kann begonnen haben mit fehlender emotionaler Zuwendung, mangelnder Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit. Und wir mussten vielleicht Erfahrungen machen wie komplette Überforderung, unangepasste Behandlung, willkürliche Bestrafungen und leider auch Misshandlungen, Missbrauch und versuchtem Totschlag seitens der Eltern/ eines Elternteils.

Mit allem Recht und auch aus tiefer Verletzung heraus können wir so im Zorn, in der Wut gegen unsere Eltern sein.
Doch wenn wir in dieser Haltung des Vorwurfs und der Wut und des Hasses bleiben, so bleiben wir leider auch in der Vergangenheit stecken, mit all den zugehörigen Bildern und Emotionen. Sicher, wir versuchen uns vor neuen Verletzungen zu schützen und gleichermassen passiert es womöglich in unserem gewaltigen Abwehrkampf, dass wir uns selber verletzen, vielleicht sogar noch tiefer und leidvoller als das, was die schlimmsten Eltern uns angetan haben. Unsere Selbstverletzung ist das Verharren in der Vergangenheit, denn so berauben wir uns selbst der Möglichkeit einer glücklicheren Gegenwart und Zukunft. Wir berauben uns selbst an der eigenen Lebensenergie, denn der zornige Blick zurück bindet viel Energie. Wenn wir auf jemanden zornig oder wütend sind, dann müssen wir diesen ‚Jemand’ ständig im Auge behalten, ihn beobachten, ihn beurteilen = wir verbrauchen einen Grossteil unserer Energie im Reagieren auf jemanden. Und so haben wir weder Zeit, noch Ruhe oder Gelassenheit den Blick mal auf etwas neues oder jemand anderes zu richten! Eine Vielzahl von Möglichkeiten, der Reichtum in der Gestaltung und freudvollen Präsenz in der Gegenwart, all das geht an uns vorbei.

Im Vorwurf und damit in unserer eigenen Ablehnung führen wir im Kern die schlechte Behandlung fort, die wir leider in unserem Elternhaus erfahren haben. Doch es gibt einen Unterschied, wir erfahren jetzt das Schlimme ohne jeglich weiteres Zutun der Eltern, nun sind wir selber zum Täter gegen uns geworden. Das ist tragisch, traurig.

Das Gute: Es ist jedoch nicht unveränderlich:
Wir sind mit unseren Erfahrungen 'er-wachsen',
wir sind heute kein Kind mehr.
Es ist also an der Zeit, das 'jemandem anders ausgeliefert zu sein' von uns aus zu beenden,
es ist Zeit, die Macht in unsere Hände zu nehmen,
es ist der Weg in die Kraft.


Ein Weg ist ein Ritual in der Aufstellungspraxis, die Elternehrung (insbesondere auch die differenzierte Elternehrung). Sie bedeutet ein JA zum Perspektivwechsel. Das gilt insbesondere auch für Kinder von Eltern, bei denen beide /oder ein Elternteil zum Täter ausserhalb der Familie geworden ist wie z.B. bei Mord, Veruntreuung, Verfolgung (unsere Geschichte bietet da einiges an Material für sehr, sehr viele Familien an) ... - auf der anderen Seite können gerade diese Menschen liebevolle oder fürsorgliche Eltern gewesen sein - wie passt das zusammen, es geht - in der Elternehrung erfahren wir Möglichkeiten in der Überwindung von Abtrennung. Und ebenso gilt es auch für Kinder von Eltern, bei denen beide /oder ein Elternteil Täter innerhalb der Familie war wie Missbrauch, Misshandlung... Hier hilft uns die Kraft der Verantwortungsübernahme, von dem was mir passiert ist und der Klärung, wer diese Tat zu verantworten hat (Hinweis auf die Seminare im Sommer).
Also was wir tun ist, wir gehen in die Aktion: Wir reden ab jetzt Klartext, wir klären Verantwortung, erfahren unsere Verbindung und unsere Abtrennung und wir begehen behutsam bisher schier unüberwindbar geglaubtes. Wir erkennen und bedanken uns bei den Eltern für das, was uns gutgetan hat, was uns gefördert hat. Wir lassen all das bei ihnen, in ihrer Verantwortung, das was uns verletzt hat. Und wir selber: Wir kümmern uns achtsam um unsere traumatischen Erfahrungen, die häufig zu Abspaltungen von Anteilen in uns führten. Wir entdecken und laden all das ein, was wir an Gefühlen, Bildern und Situationen der Kindheit oder der Jugend verloren haben. Zur Klarheit möchte ich betonen: Es geht in dieser Einladung, der Integration nicht einzig um das Leid, sondern wesentlich um die Erfahrung dahinter, die wir heute so dringend brauchen.
Die Übernahme von Verantwortung, das JA zur Veränderung ist der Beginn unserer eigenen Heilreise, in uns heil werden, in uns in Frieden kommen. Die Reise, in unserem Tempo, im emotionalen Einklang, und was als therapeutische Reise, emotional heilend beginnen mag, berührt im Kern die Essenz des Lebens - das Göttliche, und so könnte dann ein heilender wie befreiender Perspektivwechsel in einem Satz ausgedrückt aussehen:

Bei allem was meine Eltern mir angetan oder mir versagt haben,
ich fange jetzt an zu sagen, zu ehren:

ich habe mein Leben durch sie (meine beiden Eltern) bekommen -
durch den Frieden und der Klarheit mit Ihnen komme ich in den Fluss der Liebe.
In meiner Elternehrung wohnt das Göttliche bei –
so bin ich durch mein Herz im Kontakt zum Göttlichen in mir.

Blogeintrag 2/2010